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Google AI Mode: Die Zukunft der Suche ohne Webseitenbesuche?

6. März 2025 · 8 Minuten Lesezeit

Ein hoher Papierstapel links, rechts eine einzelne Karte in einer Hand, verbunden durch eine gepunktete Linie

Am 5. März 2025 hat Google einen neuen Suchmodus vorgestellt, der „AI Mode“ heißt. Die Idee dahinter ist leicht erklärt: Statt einer Liste mit zehn blauen Links bekommt man einen zusammenhängenden Text, der die Frage beantwortet, mit Verweisen auf die Quellen darunter. Dieser Beitrag beschreibt den Stand vom Tag nach der Ankündigung, und er stellt die Frage, die in vielen Redaktionen und Shops sofort gestellt wurde: Was wird aus den Seiten, die man bisher besuchte, um eine Antwort zu finden?

Was der AI Mode zum Start konnte

Google beschrieb den neuen Modus als Versuch, den es zunächst in den Search Labs gab, also in dem Bereich, in dem die Firma neue Funktionen einer begrenzten Gruppe zum Ausprobieren gibt. Zum Start war er nur für einen Teil der Nutzerinnen und Nutzer in den USA freigeschaltet, nämlich für Abonnenten von Google One AI Premium. In Österreich oder Deutschland stand er zu diesem Zeitpunkt nicht zur Verfügung.

Technisch setzte er auf eine angepasste Version von Googles Sprachmodell Gemini 2.0. Auffällig war ein Vorgehen, das Google „Query Fan-out“ nannte: Das System zerlegt eine Frage in mehrere Teilfragen, sucht zu jeder getrennt und fügt die Ergebnisse zu einer Antwort zusammen. Wer „Welche Smartwatch ist besser für Läufer, wenn ich auch schwimme?“ eingibt, löst dadurch mehrere Suchen gleichzeitig aus, statt eine einzige.

Dazu kam die Möglichkeit, nachzufragen. Man kann im selben Fenster weiterfragen, ohne die Suche neu zu beginnen, wie in einem Gespräch. Das ist der Unterschied zu den Kästen mit KI-Antworten, die Google schon vorher am Kopf mancher Ergebnisseiten zeigte, den sogenannten AI Overviews. Dort gab es eine Antwort und danach die gewohnte Liste, im AI Mode ersetzt die Antwort die Liste weitgehend.

Die Sorge: Antworten ohne Besuch

Aus Sicht der Betreiber von Websites war der Gedanke schnell gefunden. Wenn die Antwort direkt in der Suche steht, besucht niemand mehr die Seite, auf der sie ursprünglich stand. Weniger Besuche bedeuten weniger Werbeeinnahmen, weniger Verkäufe, weniger Leserinnen. Ähnliche Sorgen hatten Verlage schon bei den AI Overviews geäußert.

Dahinter steht eine Frage, die sich nicht mit einem Satz beantworten lässt. Eine Seite, deren Inhalt aus einer einfachen, überall gleichen Information besteht, etwa der Umrechnung von Maßeinheiten, hat es schwer. Eine Seite, die eine eigene Messung, eine Erfahrung, ein Urteil oder eine Besonderheit enthält, bleibt eher interessant, weil die Zusammenfassung nur den Kern wiedergibt und das Drumherum fehlt. Wer wissen will, ob ein bestimmtes Laufschuhmodell nach 600 Kilometern noch trägt, will oft die Details, die Bilder, die Erfahrung dahinter.

Man sollte auch nicht vergessen, dass Google selbst die Quellen verlinkt. Wie sichtbar diese Links sind und wie oft sie angeklickt werden, ist ein Punkt, den man erst mit der Zeit beurteilen kann. Zum Zeitpunkt der Ankündigung gab es dafür noch keine belastbaren Zahlen, und jede Behauptung über Rückgänge oder Zuwächse war eine Prognose, keine Messung.

Es gibt auch die andere Lesart. Wer über einen verlinkten Auszug auf eine Seite kommt, hat die Frage meist schon halb beantwortet und sucht jetzt gezielt die Tiefe. Solche Besucherinnen sind seltener, aber oft aufmerksamer. Ob sich das in Zahlen niederschlägt, ist offen, und die Antwort hängt davon ab, welche Art von Seite man betreibt. Ein Nachrichtenportal mit Tagesmeldungen steht vor einem anderen Problem als ein Handwerksbetrieb, der über die Suche Aufträge bekommt, und dieser wiederum vor einem anderen als ein Forum, das von den Antworten lebt, die Menschen dort geben.

Was Suchende davon merken

Für Menschen, die einfach etwas wissen wollen, kann der neue Modus bequem sein. Wer „Wie viele Tage braucht ein Visum für Indien, wenn ich im Herbst reisen will?“ fragt, bekommt eine Antwort in ganzen Sätzen, mit Hinweisen auf Fristen, Kosten und Fallstricke. Er muss nicht fünf Seiten öffnen und die Aussagen selbst abgleichen.

Es gibt aber ein paar Gründe, vorsichtig zu bleiben. Der erste: Eine fließende Antwort wirkt sicherer, als sie ist. Sprachmodelle können sich irren, und sie tun es in einem Tonfall, der keine Zweifel erkennen lässt. Bei Dingen, die schiefgehen können, etwa Medikamenten, Verträgen oder Steuern, bleibt der Blick in die Originalquelle unverzichtbar. Der zweite: Man sieht nicht, was fehlt. Eine Liste zeigt wenigstens, dass es mehrere Sichtweisen gibt. Ein Text, der eine einzige Antwort liefert, versteckt die Alternativen.

Der dritte Grund betrifft die Frage selbst. Je mehr die Suche zum Gespräch wird, desto wichtiger wird es, präzise zu fragen. Ein vager Satz führt zu einer vagen Antwort, ein präziser Satz zu einer brauchbaren. Das ist dieselbe Fertigkeit wie bei der klassischen Suche, nur unter anderem Etikett. Wer seine Fragen sauber formuliert, hat in beiden Welten den Vorteil.

Eine große Antwortkarte über einer Reihe kleiner Linkkarten, eine Hand mit Lupe prüft die Antwort

Was in der alten Suche weiter gilt

Man könnte meinen, dass sich die Spielregeln radikal ändern. Tatsächlich bleibt vieles, wie es war. Die Operatoren, die Anführungszeichen oder „site:“ verwenden, sind weiterhin nützlich, und zwar nicht nur in der Linkliste, sondern generell, wenn man genau wissen will, woher eine Information stammt. Wer eine Antwort überprüfen will, sucht sie in der klassischen Suche gegen: mit dem exakten Namen, dem Gesetz, dem Handbuch. Auch das Gespür dafür, welche Quelle zu welcher Frage passt, bleibt wertvoll. Der Leitfaden zu den Suchoperatoren und der Beitrag Richtig googeln beschreiben dafür die Handgriffe.

Interessant ist auch, dass die klassische Suche nicht verschwand. Google ließ sie ausdrücklich bestehen, und der AI Mode war ein Zusatz, den man auswählen musste. Das passt zu dem, was bei anderen Neuerungen der Suche zu beobachten war: Sie ersetzen die alte Form selten in einem Schritt. Sie wachsen daneben, und erst später zeigt sich, was bleibt.

Was Betreiber von Websites prüfen können

Wer eine Website betreibt, hat nach so einer Ankündigung wenig in der Hand, aber ein paar Dinge lassen sich prüfen, die unabhängig davon sinnvoll sind.

Die erste Frage lautet: Was steht auf meinen Seiten, das eine Zusammenfassung nicht ersetzen kann? Eine Tabelle mit Werten aus einer eigenen Messung, ein Foto, das niemand sonst gemacht hat, eine Erfahrung, die auf einer Prüfung beruht: Das sind Dinge, die ein Text nur andeuten kann. Seiten, die nur wiedergeben, was überall steht, hatten schon vorher kaum einen Grund, besucht zu werden.

Die zweite Frage betrifft die Zahlen. Die Search Console, das kostenlose Werkzeug von Google für Websitebetreiber, zeigt, mit welchen Suchanfragen eine Seite gefunden wird und wie oft sie angeklickt wird. Wer die Werte heute festhält, kann später vergleichen, ob sich etwas verändert hat, und muss nicht auf Vermutungen zurückgreifen. Ohne Ausgangswerte lässt sich ein Rückgang weder belegen noch widerlegen.

Die dritte: Wie leicht lässt sich der Inhalt einer Seite korrekt zitieren? Klare Überschriften, kurze Absätze, die eine Aussage tragen, und eine nachvollziehbare Quelle erleichtern es, dass ein System die Aussage richtig wiedergibt. Das ist keine Garantie, aber es schadet einem Text nicht, wenn man ihn so schreibt, dass auch ein Mensch ihn mit einem Blick versteht.

Drei Dinge, die sich bei Suchenden ändern könnten

Prognosen sind riskant, aber ein paar Richtungen lassen sich benennen, ohne zu behaupten, man wüsste, wie es ausgeht.

Die Fragen werden länger. Wer mit einem System spricht, schreibt eher einen ganzen Satz als zwei Stichwörter. Das war schon bei der Sprachsuche zu beobachten und dürfte sich fortsetzen, wenn man im selben Fenster nachfragen kann.

Die Prüfung der Antwort wird zur Aufgabe des Lesers. In einer Linkliste sieht man mehrere Quellen und trifft eine Auswahl. In einem Text, der die Auswahl schon getroffen hat, muss man selbst entscheiden, ob man ihm glaubt. Wer das weiß, kann es üben: eine Aussage herausgreifen und gezielt gegen eine zweite Quelle prüfen.

Und die klassische Suche wird nicht unwichtiger, sondern speziell. Sie bleibt der Weg, wenn man ein bestimmtes Dokument, eine bestimmte Seite oder einen Anbieter sucht. Wer etwa ein Formular, eine Fahrplanauskunft oder die Seite eines Geschäfts braucht, will keine Zusammenfassung, sondern das Original.

Ein Vergleich zum Selbermachen

Wer sich ein eigenes Bild machen will, braucht keine Studie, sondern einen Nachmittag. Such dir drei Fragen aus, die dir wirklich begegnen. Eine einfache, etwa nach dem Datum eines Feiertags. Eine mit mehreren Aspekten, zum Beispiel nach dem Unterschied zwischen zwei Handytarifen. Und eine, bei der du die richtige Antwort längst kennst, weil es um dein Fachgebiet geht.

Stell jede Frage zuerst der klassischen Suche und dann dem neuen Modus, sofern er für dich verfügbar ist. Achte auf drei Dinge. Stimmt die Antwort? Wird erkennbar, woher sie stammt? Und wie lange hat es gedauert, bis du sicher warst? Bei der Frage aus deinem Fachgebiet zeigt sich am schnellsten, wie verlässlich ein System ist, denn dort erkennst du Fehler sofort.

Interessant wird es bei der mittleren Frage. Ein Vergleich von zwei Tarifen besteht aus Details, die sich ändern, und eine zusammengefasste Antwort kann veraltete Preise enthalten, ohne dass man es merkt. Dort lohnt sich der Klick auf die verlinkte Seite, um das Datum zu sehen. Wer das ein paarmal macht, entwickelt ein Gefühl dafür, wo ein Antworttext reicht und wo nicht.

Ein Kettenglied verbindet eine Sprechblase mit einer Lupe, an den Rändern zwei Smartphones

Für ein Projekt wie dieses, das Suchen verschickt, stellt sich die Frage ebenfalls. Ein Link, der in die Google-Suche führt, zeigt dem Empfänger ein Suchfeld und eine Ergebnisseite. Wenn sich die Ergebnisseite verändert, verändert sich auch das, was er sieht, aber der Zweck bleibt: Jemandem die Suche in die Hand zu geben, statt die Antwort zu liefern. Wie solche Links funktionieren, steht auf der Startseite, und zwar unabhängig davon, wie die Ergebnisseite aussieht.

Wer weiß, wie sich Antwortmaschinen entwickeln, wird in einem Jahr mehr sagen können als an dem Tag, an dem die Ankündigung kam. Bis dahin ist die vernünftigste Haltung wohl, sie auszuprobieren und zu vergleichen: die gleiche Frage in der Linkliste und im neuen Modus, und dann prüfen, welche Antwort mehr trägt.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen AI Overviews und AI Mode?

AI Overviews sind Antwortkästen am Anfang der gewohnten Ergebnisseite. Der AI Mode ist ein eigener Suchmodus, in dem die Antwort die Linkliste weitgehend ersetzt und man im Dialog nachfragen kann.

War der AI Mode bei der Vorstellung in Österreich nutzbar?

Nein. Zum Start war er ein Test in den Search Labs und nur für einen Teil der Nutzer in den USA zugänglich.

Zeigt der AI Mode die Quellen an?

Ja, die Antwort verweist auf die Seiten, aus denen die Informationen stammen. Wie prominent diese Verweise sind, liegt in Googles Gestaltung.

Sollte man Antworten aus dem AI Mode ungeprüft übernehmen?

Bei Fragen mit Folgen, etwa zu Gesundheit, Geld oder Recht, nicht. Dort lohnt der Blick in die Originalquelle oder eine Beratung.

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